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GEDENKEN - giovedì 17 ottobre 2019 

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[DAS MASSAKER]

Rolle der Kollaborateure

Die ortsansässigen Faschisten als Bergführer der deutschen SS



Damals war Sant’Anna noch abgelegener und schwerer zu erreichen als heute. Um in das Dorf zu gelangen, musste man die alten Saumpfade benutzen, die von Valdicastello (Pietrasanta) und vom Hang von Stazzema aus in mindestens zweistündigem schwierigem und anstrengendem Fußmarsch nach Sant’Anna di Stazzema führten. Aus genau diesem Grund beschlossen im Sommer 1944 etwa 1000 Evakuierte, sich in das für unzugänglich gehaltene Gebiet zu flüchten.

Dennoch wurde es am 12. August 1944 von vier Kolonnen deutscher SS umstellt.

Die vier Kompanien starteten im Gebiet von Pietrasanta gegen drei Uhr nachts. Sich in vier verschiedene Richtungen bewegend, erreichten sie gegen sechs Uhr morgens die Ebene in der Talsohle, in der sich das Dorf befindet. Der Aufstieg erfolgte also nachts. Um die verschiedenen Weiler des Dorfes erreichen zu können, benötigte man in jedem Fall Italiener, genauer gesagt Leute aus der Versilia, die die Gegend hervorragend kannten.

Einige Überlebende haben detailliert Bericht über das Wirken dieser verräterischen Italiener erstattet. Es waren Individuen mit vermummten Gesichtern, die italienisch oder sogar versiliesischen Dialekt sprachen. Die aktive Teilnahme an den Massakern im Sommer 1944 ist das abscheulichste Kapitel in der Zusammenarbeit der Faschisten mit den Nazi-Besatzern. Auch vorher schon hatten sie schwere Schuld auf sich geladen: durch die Erschießung von Partisanen und durch Gewalt und Schikane gegen die Zivilbevölkerung.

Bei Prozessen gegen die Naziverbrecher von Sant’Anna wurden folgende Aussagen von Augenzeugen berücksichtigt: “Von meinem Versteck aus hörte ich, dass auch italienisch gesprochen wurde.” (F.B., Überlebender des Massakers)
“Während ich versuchte, aus dem Haus zu kommen, sagte eine vermummte Person mit Pistole [auf italienisch] zu mir: Du wirst schon sehen, was geschieht, wenn du raus gehst.” (B.B., Überlebender des Massakers)
“Komm schon, Schwarze! rief ein Soldat [auf italienisch], der eine Kuh hinter sich her zog.” (E.M., Überlebender des Massakers)
Enio Mancini, ein weiterer Überlebender, sagt aus, dass ihm im Weiler von Sennari mindestens zwei oder drei düstere und vermummte Gestalten aufgefallen sind, die versiliesischen Dialekt sprachen. “Als schon alles vorbereitet war, die Leute an der Hauswand standen und das Maschinengewehr feuerbereit dastand, kam der Offizier der Nazis und erteilte für uns unverständliche Befehle. Einer von denen übersetzte in perfektes Italienisch: ”Los, alle schnell runter nach Valdicastello!” Ein anderer antwortete [auf italienisch] der alten Frau, die darum gebeten hatte, ihre Holzpantoffeln holen zu dürfen: “Mach dir besser Sorgen wegen dem, was gleich passiert, hässliche alte Ziege.” Und noch ein anderer spornte die Kuh an, die er aus dem Stall trieb: “Nun mach schon, Schwarze!”

Die Schwestern Alba und Ada Battistini haben mehrfach von einem Ochsen berichtet, der durch einen Pistolenschuss verletzt worden, aber noch nicht tot war. Ein Mann näherte sich ihm und rief [auf italienisch]: ”Willst du wohl endlich krepieren, du hässliches Vieh!”
Am 12. August 1945 veröffentlichte Alfredo Graziani seine Erinnerungen an die tragischen Ereignisse. Wörtlich schreibt er darin: “Es steht heute fest, dass auch Italiener in SS-Uniformen anwesend waren, und zwar nicht wenige.”
In Grazianis Veröffentlichung befand sich auch ein Artikel des Schriftstellers Manio Cancogni aus der Zeitung “Nazione del Popolo” vom 29. Juni 1945. Hier ein Auszug:
“Seit einiger Zeit kursieren Namen, einer ganz besonders, unter den Einwohnern der Gegend und man hofft eventuell vergebens darauf, dass Beweise gefunden werden, die den Verdacht bestätigen.
Italiener haben auch an anderen Orten des Landes an Hinrichtungen teilgenommen. Der Verstand lehnt sich auf. Es gab Italiener, denen es nicht reichte, als infame Spione zu arbeiten, als Gefängniswärter, als Peiniger in den Folterkellern und Konzentrationslagern. Sie wollten mitwirken am grausamsten aller Verbrechen: dem Massaker an Unschuldigen. “Sie wollten” ist genau der richtige Ausdruck, denn es konnte ihnen nicht befohlen werden mitzumachen, oder zumindest wäre es einfach gewesen, sich zu entziehen. Sie wollten - einige wegen ihrer tatsächlichen moralischen Deformierung, aber die Mehrzahl auf Grund krimineller Eitelkeit und knechtischem Nachahmungsdrang. Sie wollten sich ihren Herren gegenüber nicht minderwertig fühlen, wollten beweisen, auch zu dem fähig zu sein, wofür die Deutschen berühmt waren. Wollten es sich selbst beweisen und all denen, die es nicht glauben wollten. Sie wollten auch bei dem “Spiel” mitmachen, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob der Spieleinsatz Menschenleben oder ihre eigenen Seelen waren. Doch für sie ging es hier nicht um Leben oder Seelen. Genau so wenig wie für die Deutschen, die unfähig waren, zu empfinden und kalt vor Gleichgültigkeit.
Wenn man aber von den Italienern spricht, die am Massaker in Sant’Anna beteiligt waren, wie kann man da von Gleichgültigkeit sprechen? Sie waren keine Auswärtigen, die Gegend hier war für sie nicht irgend ein Durchzugsgebiet, frei von Erinnerungen und Zuneigung. Die bei den anderen beklagte Gleichgültigkeit können wir für sie nicht in Betracht ziehen, es sei denn, man berücksichtigt einen noch schrecklicheren Zynismus. Das Dorf war doch der Ort ihrer Kindheit. Sicher kannten sie jeden Felsvorsprung, alle Formen, Farben und sicherlich auch diesen besonderen Geruch, den wir alle tief in uns bewahren, um uns in den schönsten Momenten an ihn zu erinnern, ihn wiederzuerkennen, egal wohin es uns verschlagen hat. In diesem Dorf waren sie aufgewachsen und mit jedem Gegenstand, jedem Pfad, jedem Baum, jedem Gesicht verband sie ein Teil ihres Lebens. Die Menschen, auf die sie ihre mörderischen Waffen richteten, waren menschlicher als sonstwo, die von ihnen niedergebrannen Häuser waren voll von ihrem eigenen Leben, das weiche Gras ihrer Kindheit tränkten sie mit Blut.
Vielleicht waren sie früher sonntags einmal über diese Hänge spaziert. Hatten sich in den Schatten der Kastanien gesetzt und (während sie den Blick frei über das Tal gleiten ließen) fühlten auch sie einen Augenblick verzehrenden Glücks, eine zärtlichere Zuneigung zu allem, und möglicherweise entwich ihrem Herzen ein Gefühl der Dankbarkeit für das Leben.”



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